Webrahmen bespannen: Schritt für Schritt

Martin Bleich

Kurz gesagt

  • Am einfachsten bespannst du einen Webrahmen direkt am Tisch, mit dem Schärpflock, der bei den meisten Einsteiger-Webrahmen schon dabei ist.
  • Der häufigste Fehler: Die Kette wird zu fest aufgezogen. Die Fäden sollen gerade liegen, aber nicht wie Gitarrensaiten gespannt sein.
  • Für die erste Kette eignet sich glatte Baumwolle wie Maurice Brassard Cotton 8/2 oder Cotton Slub. Bouclé lieber erst später.
  • Bei einem 25 cm breiten Webrahmen brauchst du etwa eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde.

Das Bespannen ist für viele der Moment, vor dem sie am meisten Respekt haben. Dabei ist es kein Hexenwerk, wenn du einmal verstanden hast, was du da eigentlich tust. In dieser Anleitung zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du einen Gatterkamm-Webrahmen bespannst, also die Kette aufziehst. Ich erkläre es am Beispiel des Kromski Presto und der Kromski Harfe Forte. Bei anderen Webrahmen wie dem Lojan Flex funktioniert es genauso.

Webrahmen bespannen: die direkte Methode mit dem Schärpflock

Es gibt zwei Wege, eine Kette aufzuziehen: indirekt mit einem Schärbrett oder direkt am Webrahmen. Für den Einstieg empfehle ich dir die direkte Methode. Du ziehst die Kettfäden dabei direkt durch den Gatterkamm zu einem Pflock, der am anderen Ende des Tisches festgeklemmt ist. Das geht schnell, du brauchst kein zusätzliches Werkzeug, und du siehst sofort, was passiert.

Den Schärpflock musst du nicht extra kaufen. Er liegt jedem Einsteiger-Gatterkamm-Webrahmen bei, zum Beispiel dem Kromski Presto, der Kromski Harfe Forte und dem Lojan Flex. Beim Presto heißt er im Lieferumfang Schärhilfe.

Lieferumfang der Kromski Harfe Forte

Was du zum Bespannen brauchst

  • deinen Webrahmen mit Gatterkamm, zum Beispiel Kromski Presto oder Harfe Forte
  • zwei Tischklemmen und den Schärpflock (beides meist im Lieferumfang)
  • einen Einziehhaken, auch Blattstecher genannt
  • Kettgarn, zum Beispiel Maurice Brassard Cotton 8/2
  • Packpapier oder den mitgelieferten Wickelstab, damit sich die Kettlagen auf dem Kettbaum nicht ineinander drücken
  • eine Schere und einen Rest Garn in Kontrastfarbe zum Abbinden

Welches Garn für die erste Kette?

Für deine erste Kette nimmst du am besten ein glattes, festes Baumwollgarn. Ich empfehle Maurice Brassard Cotton 8/2 oder, wenn du etwas mehr Struktur möchtest, Maurice Brassard Cotton Slub. Beide lassen sich gut spannen, reißen nicht so schnell und gleiten sauber durch den Gatterkamm.

Bouclé sieht toll aus, ist für die erste Kette aber keine gute Wahl. Das Garn hat kleine Schlaufen, verhakt sich leichter im Gatterkamm und reißt schneller. Im Schuss kannst du Bouclé später gern einsetzen. Mehr zur Garnwahl findest du im Ratgeber Wie wähle ich das richtige Webgarn?

Schritt für Schritt: so bespannst du deinen Webrahmen

1. Kettlänge und Breite festlegen

Überlege dir zuerst, wie lang und wie breit dein Webstück werden soll. Zur gewünschten Länge rechnest du etwa 50 cm für den Verlust am Anfang und Ende dazu, denn diesen Teil der Kette kannst du nicht verweben. Für einen Schal von 150 cm brauchst du also eine Kettlänge von rund 2 m. Die Breite gibst du in Zentimetern im Gatterkamm an. Wie viel Garn du dann für den Schuss brauchst, zeige ich dir in Wie viel Schussgarn braucht man?

2. Webrahmen und Schärpflock festklemmen

Klemm den Webrahmen mit der Rückseite, also dem Kettbaum, an die Tischkante. Den Schärpflock klemmst du in Webrichtung gegenüber fest, so weit entfernt, wie deine Kette lang werden soll. Ist der Tisch zu kurz, nimmst du einen zweiten Tisch oder eine Stuhllehne dazu. Setz den Gatterkamm in die Mittelstellung, damit er gerade steht.

3. Die Kettstange hinten richtig befestigen

Hier hakt es bei vielen, deshalb etwas ausführlicher. Hinten am Webrahmen hängt eine Kettstange, ein Metall- oder Holzstab, an dem die Kette später festgemacht wird. Diese Stange ist mit Schnüren am Kettbaum befestigt, bei Kromski mit Texsolv-Schnüren. Achte darauf, dass alle Schnüre gleich lang sind und die Stange gerade und parallel zum Kettbaum hängt. Hängt sie schief, wird auch deine Kette ungleichmäßig gespannt.

Leg die Kettstange über den hinteren Querbalken nach oben. Dann knotest du das Ende deines Kettgarns an einem Ende der Kettstange fest, und zwar an der Seite, an der deine Kette beginnen soll.

Texsolv-Schnüre zur Befestigung der Kettstange am Kromski Webrahmen

4. Schlaufen durch den Gatterkamm ziehen

Jetzt beginnt der eigentliche Teil. Führ den Einziehhaken von vorne durch den ersten Schlitz im Gatterkamm, nimm das Garn auf und zieh eine Schlaufe nach vorne durch. Diese Schlaufe gehst du bis zum Schärpflock und legst sie darüber. Dann gehst du zurück zum Webrahmen, führst das Garn unter oder über die Kettstange und ziehst die nächste Schlaufe durch den nächsten Schlitz. Abwechselnd einmal über und einmal unter die Stange, so bleibt die Kette ordentlich.

In jedem Schlitz liegen jetzt zwei Fäden, nämlich die beiden Seiten der Schlaufe. In den Löchern daneben ist noch nichts. Das ist richtig so, darum kümmerst du dich in Schritt 7.

5. Die Spannung beim Aufziehen gleichmäßig halten

Das ist der wichtigste Punkt der ganzen Anleitung. Zieh die Schlaufen nicht stramm, sondern leg sie einfach locker gespannt über den Pflock. Die Fäden sollen gerade liegen und nicht durchhängen, aber du sollst sie mit dem Finger noch leicht eindrücken können. Die meisten ziehen die Kette viel zu fest auf. Dann zieht sich der Pflock in Richtung Webrahmen, die Klemmen rutschen, und die ersten Fäden sind am Ende fester als die letzten.

Zu locker ist allerdings auch nicht gut. Hängen einzelne Schlaufen deutlich durch, werden diese Fäden später schlaff und machen Schlingen im Gewebe. Prüf zwischendurch mit der flachen Hand, ob sich alle Fäden gleich anfühlen.

6. Kette abbinden und auf den Kettbaum wickeln

Wenn alle Schlitze belegt sind, knotest du das Garnende an der Kettstange fest. Am Schärpflock bindest du die Schlaufen mit deinem Kontrastgarn zusammen, damit sie nicht durcheinanderkommen. Dann nimmst du sie vom Pflock und schneidest sie auf.

Jetzt wickelst du die Kette auf den Kettbaum. Am besten hält eine zweite Person die Kette vorne mit leichtem Zug fest, während du hinten kurbelst. Allein geht es auch: Wickel ein Stück, zieh dann die Kette vorne gleichmäßig nach und wickel weiter. Leg dabei Packpapier oder den Wickelstab zwischen die Lagen. Wickel so weit auf, bis die Enden vorne noch etwa 20 cm über den Brustbaum reichen.

7. Fäden in die Löcher verteilen

In jedem Schlitz liegen noch zwei Fäden. Einen davon nimmst du heraus und fädelst ihn mit dem Einziehhaken in das Loch direkt daneben. Danach liegt abwechselnd ein Faden im Schlitz und einer im Loch. Genau das braucht der Gatterkamm, damit er beim Heben und Senken ein Fach bilden kann.

Wenn du später mit zwei Gatterkämmen feiner weben willst, findest du die Erklärung in Gatterkamm-Webrahmen: Wozu zwei Gatterkämme?

8. Die Kette vorne anknoten

Vorne nimmst du jeweils ein Bündel von etwa 2 bis 3 cm Breite, führst es über die vordere Kettstange und knotest es mit einem einfachen Knoten und einer Schleife darüber fest. Fang in der Mitte an und arbeite dich abwechselnd nach außen vor. So bleibt die Stange gerade.

Zum Schluss streichst du mit der flachen Hand über die Kette. Fühlt sich ein Bündel lockerer an, öffnest du die Schleife, ziehst nach und knotest neu. Erst wenn sich alles gleich anfühlt, bist du fertig.

9. Anweben und los geht es

Webe zuerst ein paar Reihen mit einem Garnrest oder dickerem Garn ein. Damit verteilen sich die Bündel gleichmäßig über die Breite, und die Lücken zwischen den Knoten schließen sich. Danach beginnt dein eigentliches Webstück. Für den Schuss reicht dir am Anfang eine glatte Kromski Webnadel.

Bespannter Kromski Presto Webrahmen in Blau beim Weben auf dem Ständer

Wie lange dauert es, einen Webrahmen zu bespannen?

Bei einem 25 cm breiten Webrahmen wie dem kleinen Kromski Presto rechnest du beim ersten Mal mit einer Dreiviertelstunde bis einer Stunde. Bei breiteren Rahmen dauert es entsprechend länger. Mit etwas Übung geht es bald deutlich schneller, weil die Handgriffe sitzen.

Die häufigsten Fehler beim Bespannen

  • Die Kette ist zu fest aufgezogen. Das ist mit Abstand der häufigste Fehler. Leg die Schlaufen locker über den Pflock.
  • Die Kette ist ungleichmäßig gespannt, weil die Kettstange hinten schief hängt. Prüf vorher, ob alle Schnüre gleich lang sind.
  • Einzelne Fäden hängen durch. Meist hat sich beim Aufwickeln eine Lage verschoben. Papier zwischen den Lagen hilft.
  • Ein Schlitz wurde übersprungen oder doppelt belegt. Zähl beim Verteilen in Schritt 7 kurz nach.
  • Das Garn ist zu flauschig oder zu schwach für die Kette. Für den Anfang lieber glatte Baumwolle.

Wie die Schnur an der Kettstange angeknotet wird, versteht man am besten, wenn man es einmal sieht. Ein Video dazu ergänze ich hier in Kürze.

Du weißt noch nicht, welcher Webrahmen zu dir passt? Dann schau auf unserer Seite Welcher Webstuhl passt zu mir? vorbei. Was du außer dem Rahmen sonst noch brauchst, steht in Notwendiges Zubehör für das Weben mit dem Webrahmen.

Häufige Fragen

Brauche ich zum Bespannen ein Schärbrett?
Nein. Mit der direkten Methode reicht der Schärpflock, der bei Webrahmen wie dem Kromski Presto, der Harfe Forte und dem Lojan Flex schon dabei ist.

Wie fest muss die Kette gespannt sein?
Fest genug, dass die Fäden gerade liegen, aber locker genug, dass du sie mit dem Finger leicht eindrücken kannst. Beim Aufziehen lieber etwas zu locker als zu fest, die eigentliche Spannung kommt beim Aufwickeln und Anknoten.

Welches Garn eignet sich für die erste Kette?
Glatte, feste Baumwolle wie Maurice Brassard Cotton 8/2 oder Cotton Slub. Bouclé reißt schneller und verhakt sich im Gatterkamm, deshalb nimmst du es besser nur für den Schuss.

Wie lange dauert das Bespannen?
Bei einem 25 cm breiten Webrahmen etwa eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde, beim ersten Mal eher eine Stunde.

Wie viel Kette verliere ich beim Weben?
Rechne mit etwa 50 cm, die du am Anfang und am Ende nicht verweben kannst. Diese Länge planst du bei der Kettlänge gleich mit ein.

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